Wo ziehen die Kraniche im Winter hin?

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Erstellt: 28.01.2022Aktualisiert: 22.02.2022, 11:20 Uhr

Wo ziehen die Kraniche im Winter hin?

Zugvögel wie der Kranich verbringen den Winter im Süden. (Symbolbild) © stock&people/Imago

Normalerweise kehren Zugvögel wie der Kranich erst wieder ab Februar oder März zurück nach Deutschland. Doch wer sie jetzt schon sieht, sollte sie melden.

Berlin – Frankreich, Spanien oder Nordafrika: Zugvögel suchen sich bekanntlich warme Plätze zum Überwintern aus. Doch die Tiere fliegen nicht etwa aufgrund der niedrigen Temperaturen Richtung Süden, sondern weil sie hier nicht mehr genug Futter finden. Denn Schnee und Kälte gepaart mit weniger Licht erschweren die Suche nach Insekten und anderem Futter. Es kann aber sein, dass Sie Vogelarten wie den Kranich trotzdem im Januar schon sehen. Wir erklären, woran das liegt und was Sie tun sollten.

Zugvögel gesichtet: Kommen jetzt die ersten Kraniche zurück?

Kraniche ziehen normalerweise ab Oktober in ihre südlichen Winterquartiere. Doch laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) ziehen längst nicht all Tiere um: Vor allem von Niedersachsen bis Thüringen und Brandenburg seien zurzeit noch 4.400 Kraniche gezählt worden. Es ist schwer zu erkennen, ob ein Kranich hierzulande überwintert, oder ob es sich schon um einen frühen Rückkehrer handelt. Deshalb rät der NABU unbedingt dazu, die Tiere samt Flugrichtung und Aufenthaltsort zu melden. Folgende Flugrouten von Kranichen gibt es:

  • Den Westeuropäische Zugweg von Norwegen über Finnland, Frankreich, die Pyrenäen bis Andalusien
  • Den Baltisch-Ungarische Zugweg, der nur selten über Deutschland führt und in Nordafrika endet
  • Den Osteuropäische Zugweg über Russland, die Ukraine bis nach Israel

Die in Europa brütenden Kraniche nutzen unterschiedliche Zugwege in ihre Winterquartiere, je nach Lage ihres Brutgebietes. Über Deutschland ziehen nur Vögel des westeuropäischen Zugweges.

Zugvögel gesichtet: Überwintern zum Überleben

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Im Flug bilden Kraniche laut dem NABU eine V-förmige Formation mit kräftigen, erfahrenen Tieren an der Spitze. Es folgen Familien mit durchschnittlich zwei Jungtieren. Imposant: Bei konstanten Flugbedingungen könnten die Tiere ohne Halt bis nach Südeuropa fliegen. Sie legen aber Pausen ein und bleiben aufgrund von Wetter und Nebel auch mal tagelang am Boden, so der NABU.

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Erst seit ein paar Jahren kann man dieses beeindruckende Ereignis auch in Österreich beobachten. Wir waren am Neusiedler See, um den Kranichzug festzuhalten.

Seit Ende Oktober sieht man in Teilen Österreichs ein ganz besonderes Naturspektakel am Himmel. Große und kleine Schwärme von europäischen Kranichen (wissenschaftlich: Grus grus) ziehen derzeit gen Süden in ihr Winterquartier. Ein spektakulärer Anblick, der erst seit ein paar Jahren auch über Österreich zu sehen – und zu hören – ist.

Wir waren am Neusiedler See und haben für dich das Naturschauspiel festgehalten. Auf dem oberen Foto und dem folgenden Video siehst du aktuelle Bilder eines Kranichzuges.

Kraniche ziehen in ihr Winterquartier

Jedes Jahr im Herbst (Oktober/November) ziehen die gut 1,30 Meter großen Vögel in großen Schwärmen auf zwei Routen in ihr Winterquartier. Die Kraniche, die man über Österreich beobachten kann, fliegen entlang der baltisch-ungarischen Zugroute ins Warme. Die Vögel starten von ihren Brutplätzen in Finnland oder Mittel- und Ost-Estland und ziehen über den Osten Österreichs nach Nordafrika, Südfrankreich und Spanien. Wer in Österreich lebt und die ziehenden Kraniche sehen will, musste bis vor ein paar Jahren zumindest bis nach Ost-Ungarn oder Südost-Ungarn fahren. Dort tummelten sich die Vögel zu Hunderttausenden. Von den ungarischen Rastplätzen ging der Zug früher auf schmaler Front nach Süden, über die Balkanhalbinsel in den Nahen Osten. Österreich wurde dabei nur von einzelnen, verirrten Vögeln besucht. Das ist heute nicht mehr so.

Wo ziehen die Kraniche im Winter hin?

Ein Kranich in Nahaufnahme. © AdobeStock / Piotr Krzeslak

Rätselhaft: Vögel haben ihre Flugroute verändert

Spannender Fakt: Seit ein paar Jahren kann man den spektakulären Zug tausender europäischer Kraniche auch über Österreich beobachten. Die Vögel haben in den letzten Jahren ihre traditionelle Flugroute verändert. Aus bisher nicht geklärten Ursachen haben die Kraniche damit begonnen, von der in den Nahen Osten führenden Route auf halbem Weg abzuweichen (in etwa auf unserer Höhe) und Richtung Westen zu ziehen. Warum die Vögel ihre Route verändert haben, kann die Wissenschaft (noch) nicht beantworten.

Hier können Sie in Österreich Kraniche beobachten

Die Schwärme sind untertags aber auch in der Nacht unterwegs. Beobachten kann man sie sowohl nördlich, als auch südlich der Alpen, besonders in Ost-Österreich, im nördlichen Alpenvorland und neuerdings auch im südostlichen Vorland der Alpen. Dabei überfliegen sie auch Großstädte wie Wien, Graz, Linz oder Salzburg. Die Zugvögel sind auf ihren Wanderungen zum Teil sehr stimmfreudig. Ihre trompetenartigen Rufe hört man noch über Kilometer – ein beeindruckendes Hörerlebnis, da die Tiere in so großer Zahl unterwegs sind. Ein regelrechter Hotspot ist das Gebiet des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel. Hier befindet sich derzeit der einzige, österreichische Rastplatz der Vögel, an dem sie auch auf dem Boden zu beobachten sind. Sie bleiben hier allerdings nur kurz und machen ein, zwei Tage Rast.

Wo ziehen die Kraniche im Winter hin?

Kranichschwarm fliegt gen Süden. © Wild Wonders of Europe / Stefano Untherthiner / WWF

Wissenswertes über den Grauen Kranich

Kraniche fliegen im Durchschnitt mit Geschwindigkeiten zwischen 45 bis 70 Stundenkilometer. Bei schwerem Sturm und starkem Rückenwind können es im Extremfall bis zu 120 Stundenkilometer werden. Man erkennt die Zugvögel, neben ihrer Körpergröße (1,30 Meter) und ihrem langen Hals auch daran, dass sie in Formation fliegen. Kraniche ziehen meist in Keilformation oder in schrägen Reihen, um Energie zu sparen. Kraniche galten als Brutvögel in Österreich ab 1885 als ausgestorben. 133 Jahre später, im Jahr 2018, brütete dann zum ersten Mal wieder ein Kranichpaar in Österreich im Waldviertel. Erfahre in unserem Artenlexikon mehr über die beeindruckenden Zugvögel.

Wo überwintern Kraniche in Deutschland?

Als Hauptüberwinterungsgebiete in Deutschland haben sich die Diepholzer Moorniederung zwischen Osnabrück und Bremen sowie der Raum Berlin (Rhin-Havelluch, Mittlere Havel zwischen Potsdam und Brandenburg/Havel, Notte-Niederung südlich Berlin) entwickelt, wobei in beiden Räumen jeweils 5-10.000 Kraniche überwintern ...

Warum schreien die Kraniche beim Fliegen?

Ausschließlich im Brutrevier äußern die Altvögel zudem scharfe vokallose Töne, die einem Knurren nahe kommen. Diese werden bei Gefahr vom Boden her oder aus der Luft ausgestoßen, um die Jungen zu warnen und zur Flucht oder zum Hinducken zu veranlassen.

Was macht der Kranich im Winter?

Während ein kleiner Teil bereits hier überwintert, ziehen die meisten Kraniche weiter zu Überwinterungsgebieten in Ostafrika (v.a. Äthiopien). Im äußersten Osten Europas gibt es zudem noch den Wolga-iranischen Zugweg, wo die Vögel über das Kaspi-Gebiet zu Überwinterungsplätzen im Iran ziehen.

Wie lange bleiben Kraniche in Deutschland?

Der Frühjahrszug findet von Februar bis März statt und der Herbstzug von September bis November statt. Die Flugrouten der Kraniche könnt Ihr auf Karten verfolgen. Ab wann ziehen Kraniche? Die meisten Kraniche ziehen im März und im Oktober in Deutschland.