Psychose will sich nicht behandeln lassen

Kurzübersicht

  • Symptome: Zu Beginn etwa Konzentrations- und Denkstörungen, Antriebslosigkeit, Depressionen, Ängste; später etwa Zwangsgedanken, Misstrauen, starker Ich-Bezug, Halluzinationen, emotionale Veränderungen
  • Ursachen und Risikofaktoren: Verschiedene, unter anderem Demenz, Multiple Sklerose, Epilepsie, Stoffwechselstörungen, Hirnverletzung, Medikamente, Drogen; bei endogenen Psychosen genaue Ursachen unbekannt
  • Diagnose: Krankengeschichte, körperliche Untersuchung, psychologische Diagnostik mittels Fragebögen
  • Behandlung: Medikamentös mit Antipsychotika, zusätzlich gegebenenfalls Stimmungsstabilisatoren wie Lithium, Antidepressiva; ergänzend psychotherapeutische Behandlung (Psychoedukation, kognitive Verhaltenstherapie)
  • Prognose: Abhängig von der Form und Ursache der Psychose; bei frühzeitiger Diagnose und passender, konsequenter Behandlung oftmals günstiger Verlauf
  • Vorbeugen: Nicht generell möglich; bei Frühzeichen oder nach bekannter Psychose in der Vergangenheit verhindert frühe Therapie die Manifestation oft

Was ist eine Psychose?

Der Begriff Psychose umfasst verschiedene schwere psychische Störungen, bei denen der Bezug zur Realität gestört ist. Wie sich das äußert, stellt sich recht unterschiedlich dar. Beispielsweise leiden Psychotiker unter Umständen unter Ich-Störungen, Angstzuständen, depressiver Stimmung und/oder Erregungszuständen bis hin zu Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Oft zeigen die Betroffenen keine Krankheitseinsicht, sondern sind vielmehr überzeugt, Veränderungen in der Umwelt wären verantwortlich.

Psychosen haben ganz unterschiedliche Ursachen (Erkrankungen, Verletzungen, Medikamente, Drogen) oder sind in ihrer Entstehung noch teilweise ungeklärt (endogene Psychose). Es gibt vorübergehende (akute) oder anhaltende (chronische) Störungen.

Experten gehen davon aus, dass weltweit etwa ein Prozent der Bevölkerung einmal im Leben eine Psychose entwickelt (Lebenszeitprävalenz). Meist passiert dies zwischen der Pubertät und dem 35. Lebensjahr. Frauen sind dabei ebenso häufig betroffen wie Männer.

Formen von Psychose

Es gibt verschiedene Formen von Psychosen. Eine organische Psychose (exogene Psychose) basiert auf einer organisch feststellbaren Ursache wie etwa einer Verletzung oder Entzündung des Gehirns, einem Hirntumor oder einer Epilepsie. Eine durch Medikamente oder Drogen (Alkohol, LSD, Cannabis und andere) hervorgerufene Psychose wird als substanzinduzierte Psychose bezeichnet oder — im Falle von Drogen — als Drogen-Psychose.

Bei einer nicht-organischen Psychose (endogene Psychose) wie der Schizophrenie sind die genauen Ursachen zum Teil noch unbekannt. Man geht von verschiedenen Faktoren wie genetischen, psycho-sozialen und teilweise organischen Ursachen wie etwa einer Störung der Hirnchemie aus.

Als schizo-affektive Psychose bezeichnen Fachleute die Kombination aus Symptomen, die jeweils die Kriterien einer Schizophrenie und einer affektiven Störung erfüllen. Unter einer affektiven Störung versteht man eine psychische Störung, bei der die Stimmung krankhaft verändert ist — sie ist auffällig gehoben (Manie) oder gedrückt (Depression) oder wechselt zwischen diesen Extremen hin und her (bipolare Störung).

Eine paranoide Psychose (wahnhafte Störung) ist eine akute psychotische Störung, bei der Wahnvorstellungen (wie Verfolgungswahn) im Vordergrund stehen. Die Grenzen zu anderen psychischen Störungen mit Wahnsymptomen sind fließend.

Der Begriff postpartale Psychose steht für eine im Wochenbett auftretende Psychose.

Es gibt auch Mischformen verschiedener Psychosen.

Was sind die Symptome für Psychosen?

Das Krankheitsbild bei einer Psychose ist sehr vielfältig — die Symptome einer Psychose sind dementsprechend je nach Art und Ausmaß der Störung sehr unterschiedlich.

Erste Anzeichen

Schon Jahre, bevor sich eine Psychose manifestiert, weisen oft erste Anzeichen auf die beginnende Erkrankung hin. Dazu gehören beispielsweise:

  • Konzentrationsstörungen: Psychose-Gefährdete sind oft nervös, rastlos und haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Sie lassen sich schnell ablenken und sind oft nicht in der Lage, mehreren Dingen zugleich Aufmerksamkeit zu schenken.
  • Denkstörungen: Gedankeninterferenzen und -blockaden sind mögliche frühe Anzeichen einer beginnenden Psychose. Die Betroffenen haben häufig zusammenhanglose Gedanken, die sich zwischen andere Gedanken schieben und sich kaum abschütteln lassen. Manche leiden unter einer plötzlich hereinbrechenden Gedankenflut, die sich kaum kanalisieren lässt.
  • Antriebslosigkeit und innere Leere: Psychose-Gefährdete sind oft unmotiviert, gleichgültig und fühlen sich innerlich leer. Viele ziehen sich von Familie, Freunden und Bekannten zurück und meiden soziale Kontakte.
  • Leistungseinbruch: Die schulische oder berufliche Leistungsfähigkeit nimmt oft deutlich ab. Dieses Symptom ist allerdings nicht typisch für eine sich abzeichnende Psychose, sondern weist unter Umständen auch auf eine beginnende Depression hin.
  • Schlafstörungen
  • Nachlassende Lebensfreude
  • Depressionen
  • Ängste

Eine Psychose entwickelt sich oft schon im Teenageralter. Symptome wie Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit und Leistungseinbruch werden dann vielfach als typische Pubertätsprobleme fehlinterpretiert, die mit der Zeit von allein vergehen. Doch Psychose-Symptome "wachsen" sich meist nicht aus. Sie werden in vielen Fällen sogar mit der Zeit immer ausgeprägter. Allerdings gibt es auch spontane Heilungen.

Bedenken Sie, dass für die genannten Symptome auch andere Ursachen als eine beginnende Psychose infrage kommen.

Suchen Sie beim geringsten Verdacht auf eine psychotische Erkrankung Ihres Kindes einen Arzt (Hausarzt oder Psychiater) auf. Besonders ernst nehmen sollten Sie auch vage Anzeichen bei Ihrem Kind, wenn bereits andere Familienmitglieder an einer Psychose leiden.

Symptome im weiteren Verlauf

Mit der Zeit entwickeln sich eindeutigere Symptome, die oft auf eine Psychose hinweisen. Dazu gehören:

  • Irrationale Gedanken (zum Beispiel Zwangsgedanken)
  • Plötzliches, starkes Interesse an Religion, Magie oder Mystik
  • Misstrauen, Feindseligkeit und Aggression gegenüber anderen
  • Starker Ich-Bezug, Handlungen von anderen (auch Fremden) werden unangemessen stark auf die eigene Person bezogen
  • Halluzinationen
  • Denkstörungen
  • Ich-Störungen
  • Emotionale Veränderungen

Halluzinationen

Viele Psychose-Patienten leiden unter Halluzinationen. Grundsätzlich ist es möglich, dass alle Sinne davon betroffen sind, am häufigsten sind jedoch akustische Halluzinationen. Dabei hören die Betroffenen typischerweise Stimmen, die etwa ihr Verhalten kommentieren oder ihnen Befehle erteilen. Meist werden diese Stimmen als bedrohlich empfunden.

Andere Patienten sehen Gegenstände, Personen, Farben oder Gesichter, die in der Realität nicht vorhanden sind (optische Halluzinationen). Manchmal kommt es zu olfaktorischen oder sensorischen Halluzinationen, bei denen die Patienten nicht-existente Gerüche beziehungsweise Berührungen wahrnehmen.

Denkstörungen

Denkstörungen sind weitere typische Anzeichen einer Psychose. Man unterscheidet zwischen Denkstörungen inhaltlicher und formaler Natur. Zu den inhaltlichen Denkstörungen gehören Wahnvorstellungen wie Verfolgungs- und Beziehungswahn, Größenwahn und Schuldwahn:

  • Patienten mit Verfolgungswahn fühlen sich beispielsweise von Außerirdischen verfolgt oder glauben, dass andere Menschen versuchen, ihnen Schaden zuzufügen.
  • Patienten, die unter Beziehungswahn leiden, beziehen allgemeine Ereignisse auf sich selbst oder interpretieren bestimmte Gegenstände oder Personen als Bedrohung. Ein typisches Zeichen ist etwa, wenn die Betroffenen glauben, dass Sprecher im Fernsehen oder Radio ihnen geheime Botschaften übermitteln.
  • Größenwahn liegt vor, wenn jemand beispielsweise glaubt, eine berühmte Persönlichkeit oder ein verkanntes Genie zu sein.
  • Beim Schuldwahn sind die Betroffenen davon überzeugt, verantwortlich zu sein für das Leiden anderer, obwohl es dafür objektiv betrachtet keinen Anlass gibt.

Inhaltliche Denkstörungen äußern sich oft in Form von fixen Ideen — Experten sprechen hier von überwertigen Ideen. Kennzeichnend dafür ist, dass die Erkrankten gedanklich fast nur um ein und dasselbe Thema kreisen. Auch Zwangsgedanken (etwa die Überzeugung, eine bestimmte Handlung immer wieder ausführen zu müssen) gehören zu den inhaltlichen Denkstörungen.

Bei formalen Denkstörungen ist dagegen der Ablauf der Gedanken gestört. Dies äußert sich etwa in:

  • Undeutlicher, wirrer, unverständlicher Sprache
  • Häufigen, nicht nachvollziehbaren Gedankensprüngen
  • Plötzlichem Abreißen von Gedanken (Gedankenabriss)
  • Verlangsamtem Denken
  • Dem Erfinden neuer Begriffe und Wortkombinationen (Neologismen)
  • Dem Vorbeireden am eigentlichen Thema
  • Grübeln
  • Dem permanenten Wiederholen der immer gleichen Sätze und Gedanken
  • Zerfahrenem Denken, zusammenhanglosen Sätzen (inkohärentes Denken)
  • Der Unfähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen (umständliches Denken)
  • Einem eingeschränkten Wortschatz sowie eingeengtem, auf wenige Themen beschränktem Denken (Gedankenarmut)
  • Dem Gefühl, dass bestimmte Gedanken sich wie von selbst aufdrängen (Gedankendrängen)

Ich-Störungen

Bei einer Ich-Störung verschwimmt die Grenze zwischen dem eigenen Ich und der Außenwelt. Betroffene sind überzeugt, dass ihre Gedanken von anderen gehört werden (Gedankenlautwerden), dass andere ihnen ihre Gedanken entziehen (Gedankenentzug) oder dass ihre Gedanken und Handlungen von anderen Menschen kontrolliert und beeinflusst werden. Manche empfinden ihre Umwelt als unwirklich (Derealisation) oder sind sich selbst fremd. Diese Patienten erleben dann zum Beispiel den eigenen Arm nicht als Teil ihres Körpers (Depersonalisation).

Emotionale Veränderungen

Psychotiker erleben Emotionen anders als gesunde Menschen. Häufig sind ihre Emotionen weniger intensiv, so dass sie nahezu emotionslos wirken. Einige Patienten sind während einer akuten Psychose sehr reizbar. Auch unpassende Reaktionen sind möglich, zum Beispiel plötzliches Lachen in einer traurigen Situation.

Sonstige Psychose-Symptome

Eine Psychose führt in manchen Fällen zu motorischen Veränderungen. Betroffene leiden dann beispielsweise unter starker Unruhe und extremem Bewegungsdrang oder sie erstarren und verharren bewegungslos.

Viele Psychose-Betroffene ziehen sich komplett zurück. Sie vernachlässigen ihr Äußeres und widmen sich nicht mehr ihren bisherigen Interessen. Sie brechen ihre sozialen Kontakte ab und schaffen es nicht mehr, den Alltag allein zu bewältigen, geschweige denn, einen Beruf ausüben. Manche verlassen das Haus nicht mehr.

Selten kommt es zu gewalttätigen Handlungen gegen sich selbst oder andere.

Phasen der Psychose

Psychose

Die Phasen einer Psychose können unterschiedlich lang andauern. Die Dauer hängt auch davon ab, wann mit der Behandlung begonnen wird.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren?

Manche Psychosen lassen sich auf eine bestimmte Ursache wie eine Erkrankung oder Drogenkonsum zurückführen. Bei anderen sind die genauen Ursachen noch weitgehend unbekannt.

Körperliche Erkrankungen

Diverse organische Grunderkrankungen verändern mitunter die Hirnfunktionen und lösen eine organisch bedingte (exogene) Psychose aus. Dazu gehören etwa:

  • Demenz: Bei Demenzpatienten verändern sich Strukturen im Gehirn. Diese Veränderungen führen in einigen Fällen zu psychotischen Störungen. Besonders die Alzheimer-Demenz wird oft von Halluzinationen und Wahnsymptomen begleitet.
  • Epilepsie: Bei einem epileptischen Anfall entladen sich die Nervenzellen im Gehirn unkontrolliert. Manchmal treten Psychosen vorher und währenddessen auf. Am häufigsten zeigen sich psychotische Symptome jedoch unmittelbar nach einem epileptischen Anfall.
  • Multiple Sklerose: Bei dieser Erkrankung wird sukzessive die schützende Hülle von Nervenfasern (Myelinschicht) zerstört, was unter Umständen Hirnfunktionen beeinträchtigt. Psychotische Symptome sind eine mögliche Folge.

Auch Infektionen (etwa Gehirnentzündung = Enzephalitis oder Parasiteninfektionen), Stoffwechselstörungen sowie Verletzungen (wie ein Schädel-Hirn-Trauma) sind mögliche Ursprünge einer Psychose sowie Hirntumore.

Medikamente

Manchmal lösen Medikamente vorübergehend psychotische Symptome wie starke Verwirrtheit oder Halluzinationen aus. Zu den häufigsten medikamentösen Psychose-Auslösern gehören Parkinson-Medikamente:

Bei Morbus Parkinson sterben fortschreitend bestimmte Nervenzellen im Gehirn ab, was zu einem Mangel am Nervenbotenstoff Dopamin führt. Dieser löst die typischen Parkinsonsymptome aus wie verlangsamte Bewegungen, Muskelsteife (Rigor) und Zittern (Tremor).

Parkinson-Medikamente steigern den Dopaminspiegel im Blut der Patienten. Ist der Dopamingehalt dann allerdings zu hoch, ist es möglich, dass psychische Probleme wie eine Psychose entstehen. Sehr alte Parkinson-Patienten sind davon besonders oft betroffen. Stress und Flüssigkeitsmangel verstärken die Symptome oft.

Sehr selten beruht eine Psychose auf Kortison-Präparaten, die — hochdosiert — eine euphorisierende Wirkung haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass dadurch eine Psychose entsteht, ist jedoch sehr gering. Wenn überhaupt, treten die Symptome dann nur vorübergehend auf.

Drogen

LSD (Lysergsäurediäthylamid) löst mituner eine Drogen-Psychose mit Halluzinationen und Wahnvorstellungen aus ebenso wie Amphetamine wie etwa Ecstasy und ähnliche (LSD-Psychose oder Amphetamin-Psychose). Je nachdem, wie viel und welche Art der Droge konsumiert wurde, verschwinden die Symptome nach wenigen Stunden oder bleiben einige Tage bestehen.

Auch Kokain und Cannabis sind eventuell für eine drogeninduzierte Psychose verantwortlich — ebenso wie die legale Droge Alkohol. Dabei ist nicht immer klar, ob die Symptome bereits zuvor vorhanden waren oder erst durch den Drogenmissbrauch entstanden sind.

Untersuchen zeigen beispielsweise, dass Cannabis-Konsumenten mit einer genetisch bedingten Anfälligkeit für Psychosen ein deutlich erhöhtes Risiko haben, tatsächlich an einer solchen psychischen Störung zu erkranken (Cannabis-Psychose). Darüber hinaus haben Cannabis und andere Drogen das Potenzial, den Verlauf einer bereits bestehenden Psychose deutlich zu verschlimmern.

Endogene Psychose

Die bekannteste Form ist die Schizophrenie. Experten gehen davon aus, dass an ihrer Entstehung mehrere Faktoren beteiligt sind (etwa genetische Veranlagung, Stress, negative und/oder traumatische Erlebnisse, Veränderungen im Haushalt der Nervenbotenstoffe wie Dopamin und Serotonin). Mehr dazu lesen Sie hier.

Ebenfalls zu den endogenen Psychosen zählen affektive Psychosen. Das sind affektive Störungen (= psychische Störungen mit krankhaften Veränderungen der Stimmung: Manie, Depression, bipolare Störung) in Verbindung mit psychotischen Symptomen, die nicht die Kriterien einer Schizophrenie erfüllen.

Andere Psychosen

Eine schizo-affektive Psychose äußert sich in episodischen Störungen, bei denen gleichzeitig oder nacheinander in der gleichen Krankheitsepisode Symptome einer Schizophrenie und einer affektiven Störung (wie Manie oder Depression) auftreten. Die Ursache dieser Form von Psychose wird ebenfalls in einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren (wie genetischer Veranlagung, sozialen Faktoren) gesehen.

Auch bei einer paranoiden Psychose wird ein Zusammenwirken von mehreren Faktoren wie Vererbung und Umwelteinflüssen als Ursache vermutet.

Eine postpartale Psychose (Wochenbettpsychose) tritt in den ersten Wochen nach der Geburt auf und dauert wenige Tage bis mehrere Monate an. Symptome sind etwa Erregung, Verwirrung, Stimmungsschwankungen, Euphorie, Depressionen, Halluzinationen, Wahnvorstellungen und eventuell Gewalttätigkeiten (daher ist konstante Überwachung sehr wichtig). Forscher vermuten, dass der extreme Schlafentzug der frisch gebackenen Mutter das Ausbrechen der Erkrankung begünstigt, neben wahrscheinlichen hormonellen und vielen weiteren Faktoren.

Eine postpartale Psychose bedarf umgehend ärztlicher Behandlung, da der Realitätsverlust der Mutter sowohl diese selbst als auch das Kind potenziell gefährden.

Untersuchungen und Diagnose

Wenn Sie bei sich eine Psychose vermuten, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen. Der Verlust des Realitätsbezugs birgt nämlich die Gefahr, dass Sie sich selbst oder andere gefährden.

Erster Ansprechpartner bei Psychose-Verdacht ist der Hausarzt. Er wird Sie bei Bedarf an einen niedergelassenen Psychiater oder in eine psychiatrische Klinik überweisen.

Um sich ein Bild zu machen, wird Ihnen der Arzt im Erstgespräch (Anamnese) beispielsweise folgende Fragen stellen:

  • Hören Sie Stimmen oder sehen Sie Dinge, die andere nicht hören oder sehen?
  • Haben Sie das Gefühl, verfolgt zu werden?
  • Haben Sie viel Kontakt zu Familienangehörigen und/oder Freunden?
  • Sind Sie in letzter Zeit ungewöhnlich reizbar?
  • Fühlen Sie sich oft bedrückt oder aufgedreht?

Nach dem Erstgespräch steht eine körperliche Untersuchung an. Sie gibt gegebenenfalls Hinweise auf eine organische Ursache der Psychose. Anhand von Blut- und Urinproben stellt der Arzt etwa fest, ob Drogenmissbrauch, Entzündungen oder Stoffwechselstörungen hinter den Symptomen stecken. Mithilfe von neurologischen Tests lassen sich Erkrankungen des Nervensystems wie Multiple Sklerose und Epilepsie erkennen.

Stellt der Arzt keine Ursache fest, ist ein Fachmann wie ein Psychiater der richtige Ansprechpartner, der Sie auf mögliche psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, bipolare Störung oder Depression untersucht. Dabei helfen ihm klinische Fragebögen, die sich an den Klassifikationssystemen psychischer Störungen orientieren.

Behandlung

Wie die Psychose-Behandlung im Einzelfall aussieht, hängt von der Ursache der psychischen Störung ab. Nach Möglichkeit wird der Auslöser (Grunderkrankung wie Epilepsie, bipolare Störung, Drogensucht und so weiter) behandelt. Zusätzlich lassen sich die Psychose-Symptome mithilfe von Medikamenten lindern.

Medikamente

Psychosen werden mit sogenannten typischen Antipsychotika wie Haloperidol behandelt. Diese Arzneimittel wirken sehr gut gegen Halluzinationen und Wahnvorstellungen, haben jedoch starke Nebenwirkungen. Zu den häufigsten gehören:

  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Gewichtszunahme
  • Bewegungsstörungen
  • Muskelzuckungen

Um diese Nebenwirkungen zu vermeiden, werden mittlerweile oft neu entwickelte sogenannte atypische Antipsychotika verschrieben. Sie sind meist besser verträglich, führen jedoch im Einzelfall ebenfalls zu Müdigkeit und Gewichtszunahme.

Trotz der möglichen Nebenwirkungen ist es ganz wichtig, dass der Patient die verschriebenen Antipsychotika konsequent einnimmt — so lange, wie vom Arzt verordnet. Das verhindert Rückfälle. Manche Patienten werden ihr Leben lang medikamentös behandelt.

Patienten, deren Psychose auf einer bipolaren Störung beruht, werden zusätzlich mit Stimmungsstabilisatoren wie Lithium behandelt. Geht die Psychose mit einer Depression einher, helfen Antidepressiva.

Psychotherapie

Ergänzend zur medikamentösen Behandlung stabilisiert oft eine Psychotherapie die Patienten zusätzlich. Für die Psychosetherapie sind zwei psychotherapeutische Methoden besonders geeignet: die Psychoedukation und die kognitive Verhaltenstherapie.

Psychoedukation

Die Diagnose "Psychose" führt oft dazu, dass Patienten und Angehörige stark verunsichert und geängstigt sind. Die gezielte, umfassende Aufklärung über die Erkrankung (Psychoedukation) hilft den Betroffenen, ihre Ängste zu bewältigen sowie Vorurteile, falsche Vorstellungen und Schuldgefühle abzubauen. Außerdem werden Patienten und Angehörige darin geschult, erste Anzeichen einer Psychose zu erkennen, um auf eventuell auftretende Rückfälle frühzeitig aufmerksam zu werden.

Kognitive Verhaltenstherapie

Dabei erlernen Patienten spezielle Techniken, mit denen sich Wahnvorstellungen kontrollieren sowie depressive Symptome, Ängste und Stress abbauen lassen. Denn auch Medikamente schützen nicht immer vor einem erneuten Schub.

Außerdem trainieren die Patienten ihre sozialen Fähigkeiten, um Stress abzubauen, soziale Kontakte zu stärken und gelassener mit belastenden Situationen umzugehen.

Krankheitsverlauf und Prognose

Psychosen galten lange Zeit als schwer behandelbar oder gar unheilbar. Das hat sich jedoch dank verbesserter Therapieoptionen mittlerweile in vielen Fällen geändert. Grundsätzlich hängt die Prognose wesentlich von der Art der Psychose ab. Beispielsweise bestehen etwa bei einer akuten organischen Psychose oft gute Aussichten, während eine chronische organische Psychose vielfach einen chronisch fortschreitenden Verlauf nimmt. Bei endogenen Psychosen haben affektive Psychosen im Allgemeinen eine günstigere Prognose als eine Schizophrenie.

Im Einzelfall sieht die Prognose einer Psychose mitunter anders aus. Generell ist es wichtig, eine Psychose möglichst frühzeitig zu behandeln (Medikamente, Psychotherapie). Alles, was dem Leben der Betroffenen zusätzlich Stabilität verleiht, verbessert die Prognose weiter. Dazu gehören stabile soziale Bindungen und ein berufliches Umfeld, das Psychose-Patienten nicht überfordert.

Vorbeugung

Generell lässt sich einer Psychose nicht vorbeugen, da es verschiedene Ursachen gibt, die zum Teil noch nicht bekannt sind. Allerdings lässt sich in vielen Fällen eine beginnende Psychose bereits in einer frühen Form erkennen – insbesondere, wenn es bereits in der Vergangenheit psychotische Episoden gegeben hat. Eine möglichst frühe und konsequente Behandlung hilft oft, eine akute Psychose vorbeugend zu verhindern.

Weiterführende Informationen

Bücher:

  • Psychose – Analyse und Therapie, Ursula Schnieder, ersa Verlag, 2011
  • Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis: Ratgeber für Patienten und Angehörige, Leitfaden für professionelle Helfer, Einführung für interessierte Laien, Josef Bäuml, Springer, 2008
  • Bevor die Stimmen wiederkommen: Vorsorge und Selbsthilfe bei psychotischen Krisen, Andreas Knuf und Anke Gartelmann, Balance buch + medien verlag, 10. Auflage 2020

Was passiert wenn eine Psychose nicht behandelt wird?

An einer Psychose Erkrankte können in schweren Fällen von längerfristiger Arbeitsunfähigkeit oder Frühberentung betroffen sein. Daher sind bei akuten und chronischen Psychosen meist neben der medizinischen (kurativen) Behandlung auch Rehabilitationsmaßnahmen zur beruflichen Rehabilitation notwendig.

Kann eine Psychose von alleine weggehen?

Was die Heilungsaussichten betrifft, so behandeln wir bei den meisten Erkrankungen in der Medizin Symptome, um darüber eine langfristige Lebensqualität aufrechtzuerhalten. Das ist bei der Psychose nicht anders, das heißt, sie ist nicht heilbar – was die wenigsten ernsthaften Krankheiten sind –, aber behandelbar.

Wie gehe ich mit Menschen um die eine Psychose haben?

Menschen mit einer beginnenden psychotischen Störung suchen häufig keine Hilfe. Machst du dir um jemanden Sorgen, sprich die Person fürsorglich und nicht wertend an. Unterhalte dich mit der Person, wenn möglich allein an einem ruhigen Ort, wo ihr nicht abgelenkt werdet. Nimm dir genügend Zeit für das Gespräch.

Kann man eine Psychose ohne Medikamente behandeln?

Eine Psychose ist wie ein Ausstieg aus der Realität. Wer daran leidet, fühlt und sieht Dinge, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Neben Medikamenten können auch verschiedene Psychotherapien den betroffenen Patienten helfen.